Hörbuch-Junkies
Hier gibt's was auf die Ohren

Seven - Das Ende aller Tage





Seit Februar diesen Jahres erscheint im Vertrieb von Romantruhe eine neue Hörspiel-Serie in sieben Teilen, die von den Machern als epische Erwachsenen-Hörspielerzählung im Stil der komplexen HBO- und Netflix-Serien angekündigt wird. Eine fesselnde Mystery-Geschichte mit surrealen Elementen und einer enormen Prise schwarzen Humors.
Wir durften bereits die ersten vier Teile hören und sind angefixt auf den Rest der Staffel und den Fortgang der mysteriösen Geschichte.
Passend dazu konnten wir die Macher für ein Interview und einen Blick hinter die Kulissen gewinnen und möchten Euch das Interview natürlich nicht vorenthalten.

Hier etwas mehr zur Story:
Eine Gruppe von Menschen - ein Psychologiestudent, eine Ballett-Tänzerin, eine Parapsychologin und ihr undurchsichtiger Liebhaber, ein Kleinkrimineller, ein Hobby Esoteriker und ein Soziopath, werden in unheimliche und merkwürdige Ereignisse gezogen. Schon bald müssen sie feststellen, dass diese Vorkommnisse nicht zufällig geschehen, sondern höhere Mächte im Hintergrund die Fäden ziehen. Denn es gilt die Auslöschung allen Lebens zu verhindern.

Ihr kommt nicht aus dem Bereich Hörspiel, wie seid Ihr darauf gekommen, eine Hörspiel-Reihe zu produzieren?

Das war eigentlich ganz lustig. Es war im Sommer 2015. Ich war gerade einkaufen und hab an der Kasse gewartet. Dort standen im Regal ganz viele Hörspiel CD´s. Und da kam mir die Idee ein Erwachsenenhörspiel zu schreiben. Ich hab sofort meine Freundin angerufen und sie gefragt, ob sie Bock hätte, mitzumachen. Sie sagte ja, und so kam die Sache ins Rollen. Ich habe dann einfach ein paar Verlage angerufen und denen von unserer Idee erzählt. Bei Joachim Otto von der Romantruhe stieß ich gleich auf offene Ohren. Er war direkt am Telefon begeistert von der Idee. Er meinte, wir sollen ihm ein Expose und das erste Manuskript schicken und dann würden wir weitersehen. Nachdem er das Manuskript gelesen hatte, gab er sofort die ersten sieben Teile in Auftrag. Wie du ja bereits in der Frage erwähnt hast, kommen wir ja eigentlich aus dem Theater Bereich. Ich mache seit Jahren in Hanau Theater. Zunächst als Schauspieler und dann auch als Regisseur. Früher hab ich für das Histo(e)rische Theater Hanau gespielt und geschrieben. Aber nach einem Wechsel im Vorstand und unterschiedlicher Ideen in Bezug auf künftige Theaterproduktionen habe ich im Jahr 2016 meinen eigenen Verein, das Traumtheater Hanau e.V. gegründet. Dort konnte ich dann meiner Kreativität unbegrenzt freien Lauf lassen. In den letzten drei Jahren haben wir nun schon einige sehr erfolgreiche Stücke aufgeführt und im Oktober geht’s weiter mit der Bühnenversion von ‚Ein Fisch namens Wanda‘. Durch die erfolgreiche Theaterarbeit hatte Joachim Otto dann auch die Idee, dass wir die Regie für ‚Seven‘ selbst übernehmen sollten. Denn Joachim hatte unser Stück ‚Dracula‘ besucht und sich von meinen Fähigkeiten als Regisseur vor Ort überzeugen können. Scheinbar hat es ihn überzeugt.

Wie ist die Idee zur Reihe entstanden?

Die Idee zu der Serie hatte ich eigentlich bereits 2008. Schon damals habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es in Deutschland möglich ist, als Autor von unkonventionellen Stoffen veröffentlicht bzw. verfilmt zu werden. Denn die großen deutschen Fernsehsender wie RTL oder Pro Sieben haben ja weder das Interesse noch das Budget eine Serie im Stile von ‚Seven‘ zu verfilmen. Dort wird eher auf traditionelle Krimis, Action oder Comedy gesetzt. Im Falle von RTL kann ich das sogar ganz genau sagen, denn durch einen befreundeten Journalisten habe ich es damals tatsächlich geschafft, beinahe für ‚Alarm für Cobra 11‘ zu schreiben. Als ich aber den anderen Autoren meine Ideen vorschlug (neben der Action mehr Suspense und Tiefgang vielleicht eher im Stile der amerikanischen Serie ‚24‘), wurde ich darüber aufgeklärt, dass dies nicht im Sinne der verantwortlichen Produzenten sei. Es sollte nur knallen und krachen. Das hat mich dann nicht interessiert und habe das daraufhin nicht weiter verfolgt. Danach habe ich mir einige Notizen zu meinen Ideen gemacht. Einiges davon findet sich heute in ‚Seven‘ wieder. Ich fing an zu studieren und meine Idee ruhte solange im Schrank bzw. im Kopf und kamen erst im Sommer 2015 beim Einkaufen wieder zum Vorschein. Ich sagte mir, wenn es in Deutschland schon nicht möglich ist, zu einem Fernsehsender zu marschieren, um eine Mystery Serie zu verfilmen, wieso denn nicht als Hörspiel. Ich selbst bin seit Jahren begeisterter Hörspielhörer (John Sinclair, Geister Schocker und Gruselkabinett). Besonders die Edition 2000 von Sinclair hat es mir sehr angetan. Die alten Folgen von Döring klangen meiner Meinung nach wirklich wie Hollywood fürs Ohr.

Um was geht es in Seven?

In ‚Seven‘ geht es, vereinfacht gesagt, um den immerwährenden Kampf zwischen Gut und Böse. Eine Gruppe von Personen ist dazu auserwählt die Welt vor dem Untergang zu retten. So etwas ist nicht neu. Was ‚Seven‘ dann allerdings von anderen apokalyptischen Serien unterscheidet, sind die surrealen Elemente und der schräge Humor. Eben diese Komponenten haben auch Joachim Otto dazu veranlasst, die Serie in Produktion zu geben. Unsere sieben Auserwählten Frank (ein skeptischer Psychologiestudent, der aus einer völlig dysfunktionalen Familie stammt), Katja (eine von inneren Dämonen verfolgte Balletttänzerin aus reichem Elternhaus), Esther (die zickige Parapsychologin mit dem Herz am rechten Fleck), Eric (Esthers undurchsichtiger Assistent mit dunkler Vergangenheit, mit dem sie auch eine Affäre hat), Dennis (ein Techno DJ, der sich als Kleinkrimineller mit Drogengeschäften etwas dazu verdient), Pogo (ein Hobby Esoteriker, der unglücklich verliebt in Katja ist und für sie alles tun würde) und Bronko (ein ungewaschener Soziopath, der düstere Gedanken in Bezug auf Frauen hat) haben entweder merkwürdige Verhaltenszüge oder stammen aus dysfunktionalen Familien oder Umfeldern. Keiner der sieben Haupthandlungsträger entspricht der typischen Blaupause einer Heldenfigur. Viel eher könnte man die sieben als Antihelden verstehen, mit denen sich der Hörer aber dennoch identifizieren kann. Denn neben all den schrägen Elementen, sind die sieben Hauptrollen zutiefst menschlich. Im Laufe der Serie werden sich ihre Verhaltensweisen aufgrund ihrer Biographien immer mehr erschließen und nachvollziehbarer werden. Und wenn man mal ganz ehrlich ist, das wahre Leben ist auch nicht immer geordnet und verläuft linear. Vieles was im alltäglichen Bereich geschieht, ist ebenfalls schräg und völlig daneben. Unsere Serie treibt diesen alltäglichen Wahnsinn im Grunde genommen völlig auf die Spitze. Deshalb auch das surreale Etikett. Und der Vergleich mit David Lynchs ‚Twin Peaks‘. Mir ist schon bewusst, dass wir nicht die deutschen David Lynchs sind. Sein Werk ist unerreicht und zeitlos. Aber viele Besucher und Journalisten meiner Theaterproduktionen haben meine Stücke mit dem Humor von Lynch und auch Tarentino verglichen. Und auch Personen aus dem Produktionsprozess zu ‚Seven‘ haben als Referenzen diese beiden Namen in den Mund genommen. Da ich ein großer Twin Peaks Fan bin (ich glaube ich habe die Serie schon mindestens 10 mal komplett gesehen) kann ich mir durchaus vorstellen, dass mich Lynchs Stilmittel bei der Schaffung von Seven maßgeblich inspiriert haben. Was auf jeden Fall ähnlich ist wie bei Twin Peaks, ist die langsame Steigerung der surrealen Elemente von Folge zu Folge und der bunte Genremix (von Horror/Mystery über Science Fiction und Fantasy, Comedy und Soap ist auch bei uns alles dabei). Wir sitzen gerade an den letzten beiden Folgen der ersten Staffel und da hab ich mir teilweise gedacht, ‚what the fuck‘ das ist so schräg, das hätten wir so nicht in der ersten Folge bringen können.

Wie viele Folgen sind bislang geplant und in welchen Abständen erscheinen sie?

Bisher sind 7 Folgen aufgenommen (die ersten 4 sind bereits erschienen). Die fünfte wird Ende Mai erscheinen. 6 und 7 dann im Juli und August. Man kann sagen so im 5 bis 6 Wochen Tonus. Dann ist die erste Staffel vorbei. Anfang nächsten Jahres geht es dann mit der zweiten Staffel weiter. Das genaue Datum hierzu steht aber noch nicht fest. Ich kann nur eines sagen, es geht auf jeden Fall weiter. Und eines kann ich den Hörern ebenfalls versichern. Die Serie wird ein homogenes, rundes Ende finden. Kein offenes.

Wie ist der Vergleich mit HBO- und Netflix-Serien zustande gekommen?

Da kam im Grunde genommen ebenfalls durch Personen zustande, die den Produktionsprozess begleitet haben. Paul Burghardt (der ursprünglich Regie führen sollte), z.B. hat mir am Telefon gesagt, dass ihn die Komplexität und der Stil der Serie an amerikanische Serienproduktionen wir z.B. ‚Lost‘ erinnern würde. Und auch einige der Sprecher haben die kompletten Skripte gelesen. Sie lobten den Dialog und Schreibstil. Es wäre anders, als vieles was man sonst so im Hörspielbereich zu lesen bzw. hören bekäme. Und vielleicht ist es eben dieses spezielle Element, das die Hörerschaft zu polarisieren scheint. Denn um das surreale Element hervorzuheben, sind die Sprecherinnen und Sprecher sowie die Dialoge von uns bewusst in diese Richtung gelenkt worden. Es sollte nicht sprachlich glatt verlaufen, sondern schräg mit vielen unvorhergesehenen Spitzen versehen. Jeder der Rollen agiert bzw. reagiert so, weil wir wollten, dass er oder sie so spielt. Nehmen wir zum Beispiel die Cafehaus Szene in Folge 1, in der Katja in einem Moment noch die feiste Bedienung ankeift, Frank zur Schnecke macht und sich in der nächsten Sekunde mit Frank verabreden will. Gabrielle hat unsere Vision sau geil umgesetzt. Genauso wollten wir es haben. Der Vergleich zu HBO und Netflix Serien entstand, um damit zu werben, dass hier eine große Geschichte erzählt wird, die wie in den Serien aus den genannten Sendern einen Handlungsbogen über die gesamte Laufzeit erzählt. Ähnlich wie bei ‚Game of Thrones‘ oder auch den Marvel Serien bei Netflix. Uns ist natürlich durchaus bewusst, dass eine visuelle Serienproduktion ganz andere Möglichkeiten schon alleine wegen des Budgets hat. Aber wir wollten von vorne herein in kurzen Worten klar stellen, in welche Richtung die Sache läuft. Eine langsam erzählte große Geschichte als Hörspielproduktion. Und deshalb auch die bekannten Stimmen aus eben diesen Vorbild Serien.

Wie war die Zusammenarbeit mit den großen der Sprecherszene, die dieses Hörspiel vertonen?

Die Zusammenarbeit hat großen Spaß gemacht. Alle waren sehr nett zu uns. Wir haben bei den Aufnahmen viel gelacht. Am ersten Tag war ich noch sehr nervös. Meine Freundin sagte zu mir, dass ich Wolfgang Condrus (unseren Erzähler) angesehen hätte, wie ein kleines Kind, das den Nikolaus anschaut. Wolfgang muss das wohl auch gemerkt haben. Er meinte dann, ich müsste nicht nervös sein. Er wäre auch ein normaler Mensch, der schläft und isst. Das hat mir dann sehr geholfen und meine Nervosität war auf einmal wie weg.
Hier sind einige Fotos, die uns bei den Aufnahmen mit einigen der Sprecherinnen und Sprechern in Berlin zeigen.


Bastian Sierich, der den Soziopathen Bronko, den Ettin und Herrn Schwarzkopf spielt.

 
                   Gundi Eberhard                             Sandrine Mittelstaedt                      Till Hagen
 

                     Sven Brieger                                Engelbert von Nordhausen                 Gabriele Pietermann







Margot Rothweiler, die ab Folge 6 als Wahrsagerin Marla Schwarz dem Hauptcast beitreiten wird.








Wir hoffen, wir konnten Euch einen kleinen Einblick verschaffen und Ihr habt Lust bekommen, selbst mal in die Reihe rein zu hören. Viel Spaß dabei!