Hörbuch-Junkies
Hier gibt's was auf die Ohren

Familie und andere Trostpreise


von Martine McDonagh
Sprecher Jona Mues
6 Audio CDs, 433 Min.
erschienen bei HarperCollins bei Lübbe Audio
ISBN 978-3961080601

Inhalt
Sonny Andersons Vater ist ein Guru, seine Mutter verschollen - und alles, was er über zwischenmenschliche Beziehungen weiß, hat er aus seiner Lieblingszombiekomödie gelernt!
Man könnte sagen, er ist kein normaler 21-jähriger. Man könnte auch sagen, dass er eine Menge Neurosen hat und körperlich leidet, wenn sich Menschen in seiner Gegenwart küssen. Und auf jeden Fall hat Sonny eine Riesenangst vor Briefumschlägen! Doch als er an seinem Geburtstag ein Vermögen erbt, weiss er, was zu tun ist: nach England reisen, um endlich seine Mutter zu finden. Dabei ahnt Sonny nicht im Geringsten, was er auf der chaotischen Suche nach seinen Wurzeln alles aufdecken wird.

Meinung
Sonny Anderson ist Ex-Junkie und lebt bei seinem Vormund Thomas in den USA. An seinem 21. Geburtstag erbt er von seinem verstorbenen Vater ein Vermögen, Sonny ist jetzt Multimillionär. Außerdem bekommt er fünf geheimnisvolle Briefe. Da er nicht viel über seine Familie weiß, macht er sich auf die Suche nach seiner Mutter, eine chaotische Suche beginnt.

Sonny ist ein skurriler Typ, der viele Neurosen hat, so hat er Angst vor Briefumschlägen und ist sehr geräuschempfindlich. Wir erfahren, dass er eine Drogenvergangenheit hat und sich kaum an seinen Vater erinnern kann. Erzählt wird die Geschichte so, als ob Sonny in einem direkten Dialog mit dem Hörer bzw. seiner Mutter steht. Sein Erzählton ist locker, flapsig und es wird klar, dass er ein absoluter Film-Freak ist. Seine Lebenserfahrung gewinnt er aus Filmen, sie geben ihm Halt und Ordnung im Leben. Die Suche nach seiner Mutter stellt Sonnys Wunsch nach Familie und emotionaler Nähe dar, aber auch die Suche nach sich selbst und nach seinen Wurzeln. Gleichzeitig besucht er auf seiner Reise die Schauplätze seiner Lieblingsfilms „Shaun of the Dead“. Das allein macht ihm die Reise zum Vergnügen. Insgesamt dreht sich die Geschichte irgendwie im Kreis. Sonny, der Filmnerd, der seine Lebenserfahrung aus Filmen gewinnt, eine Mutter hat, die ihm keine war und ihn nicht wollte. Es wird tragisch und absurd, zeigt Probleme im Leben und ist entgegen der Ankündigung nicht komisch, sondern eher tragisch. Sonny hat so einige Wahrheiten zu ertragen, die für einen jungen Mann schwierig zu verdauen sind.
Dieser Roman konnte mich nicht erreichen, für mich war er ziemlich absurd. Ich hatte meine Probleme mit vielen Themen, die mir regelrecht langweilig erschienen. Meditation, Yoga, Literatur, Filme, alles wird hier in einen Topf geschmissen und ich konnte Sonny nicht nahe kommen. Seine verwirrende Art konnte ich nicht verstehen und so blieb auch mein Interesse für ihn auf der Strecke. Wer einen lustigen Road Trip erwartet, wird hier enttäuscht. Mir fehlt der Zugang zu Sonny, echte Spannungsmomente und die gesamte Handlung war für mich ein diffuses Knäuel aneinandergereihter Vorgänge. Zwar sorgen die einzelnen Teile im Buch insgesamt für Gesamtbild, dafür musste ich jedoch reichlich Geduld beim Hören aufwenden. Schade, der Schreibstil allein ist wirklich gelungen, leider konnte die Handlung mich aber nicht erreichen. Da wäre sicherlich mehr drin gewesen.

Gelesen wird "Familie und andere Trostpreise" von Jona Mues. Der erfahrene Hörbuch- und Hörspielsprecher kann auch in dieser Produktion sein Können unter Beweis stellen. Seiner angenehmen Stimme lauscht man gern und er schafft eine eindrucksvolle Atmosphäre.

Das Cover in hellblau zeigt verschiedene Schnappschüsse, die mit Tesafilm an eine Wand geklebt wurden. Darunter ist der Titel des Hörbuchs „Familie und andere Trostpreise“ zu lesen.
Verpackt sind die sechs CDs in einem Digipac aus Pappe, das im Inneren kurze Informationen zu Autor und Sprecher enthält.

Fazit
Ungewöhnliche Familiengeschichte, die trotz hohem Potenzial irgendwie belanglos dahin plätschert. Der tolle Sprecher tut alles, ihr die nötige Würze zu verleihen und ist ein klarer Pluspunkt für dieses Hörbuch.
Von uns drei von fünf Punkten.




AS für HBJ
Quelle Inhalt und Bild www.luebbe.de