Hörbuch-Junkies
Hier gibt's was auf die Ohren

Oliver Rohrbeck


Wir hatten am 10. Januar das Vergnügen, uns bei der Prima Vista-Lesung in Hannover mit Oliver Rohrbeck und Detlef Bierstedt, kurz mit Oliver Rohrbeck unterhalten und ein kleines Interview führen zu dürfen.



 
 

Hörbuch-Junkies: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen Prima Vista-Lesungen zu machen ?

Oliver Rohrbeck: Wir lesen sehr gerne, seit Jahren.

Detlef Bierstedt: Sogar ganz prima (lacht).

Oliver: Prima Vista heißt „auf den ersten Blick“. Kollegen von uns sagen oft „Ich muss einen Text vorher haben, alles anstreichen und ich muss genau wissen, was ich da lese“. Wir haben festgestellt, dass, wenn man vorliest, auch unseren eigenen Kindern früher, und den Text nicht so sehr kennt, sich die Leute noch mehr freuen. Das ist dann immer so ein besonderer Kribbel, ob man denn den Text auch fehlerfrei lesen kann, ob man ihn auf Anhieb begreift. Uns macht das Spaß, wir lesen sehr gerne, wir lieben Bücher, es gab gar keine andere Möglichkeit, als zu sagen, jetzt müssen wir öffentliche Veranstaltungen machen und Prima Vista lesen.

HBJ: Du hast Deine Karriere als Kindersprecher begonnen, die ersten Produktionen, an die ich mich selbst erinnere, waren in Bambi als „Klopfer“ und bei den Vorstadtkrokodilen und natürlich die Rolle als Karlsson auf dem Dach.
Wie bist Du zum synchronisieren bzw. Hörspiele sprechen gekommen ?


Oliver: Ich habe noch früher angefangen, jetzt war gerade 40 jähriges Jubiläum der Sesamstraße, ich habe in der Sesamstraße angefangen mit sechs Jahren, da konnte ich noch nicht mal lesen und habe als Kinderdarsteller vor der Kamera mitgemacht. Und da hat es sich dann herumgesprochen, da ist ein Junge, der kann ein bisschen schauspielern. Dann hat man mich auch für Synchron angefragt. Ich hab aber auch all die Jahre weiter Filme gedreht, dann Theater gespielt, mit zwölf Jahren mit Rudolf Platte und später mit Peer Schmidt. Ich habe jegliches Fach der Schauspielerei als Kind schon mal durchlaufen, aber immer wieder gern auch als Sprecher gearbeitet. Für mich war die Arbeit als Kinderdarsteller und Sprecher wie spielen und so kam mir das nie als Arbeit und Belastung vor, so habe gern so viel wie möglich in dem Bereich gemacht und Rollen angenommen.

HBJ: Deine wohl bekannteste Rolle ist die des Justus Jonas. Wie ist das, wenn man so auf eine Rolle festgelegt ist ?

Oliver: Das tun nur Leute von außen, die keine anderen Sachen von mir kennen, es gibt viele, die haben mich dann in anderen Sachen gesehen oder gehört und kennen auch die Hörbücher. Die geben das Festlegen dann schnell wieder auf und stellen fest, dass es da noch mehr Schattierungen und noch mehr Sachen gibt und genießen das. Die freuen sich dann, die Stimme zu kennen, mit der Stimme vertraut zu sein, mit der Stimme vielleicht sogar einschlafen zu können, auch bei Hörbüchern. Ganz vielen bedeutet diese Stimme tatsächlich etwas, die sie schon seit mittlerweile 30 Jahren aus ihrer Kindheit kennen und insofern ist es für mich ein ganz tolles Gefühl, dass ich da so angenommen werde.

HBJ: Der Erfolg der drei Fragezeichen ist unglaublich. Wie ist es, wenn man große Stadien mit Hörspiel-Fans füllen kann und der Erfolg und die Beliebtheit der Serie so enorm ist ?

Oliver: Naja, das machen wir ja nicht. Wir füllen die großen  Arenen mit den Drei Fragezeichen und die Leute kommen wegen den Drei Fragezeichen und das sind zufällig immer noch die gleichen Sprecher. Aber wenn jetzt Andreas, Jens und ich sagen, wir machen zu dritt eine andere Lesung, füllen wir natürlich kein großes Stadion. Das gemischt, diese drei Stimmen plus das Produkt Die drei Fragezeichen bezeichnen, was den Leuten etwas bedeutet und das füllt auch große Stadien. Insofern würde ich da auch nicht unbedingt sagen, dass wir die füllen und dazu gibt es dann eben auch noch eine Show. Wenn wir in großen Hallen oder Stadien keine Videoleinwände hätten und würden uns nur hinstellen und lesen, dann würden die Leute buhen und gehen und würden sagen, wir haben nichts gesehen und das funktioniert nicht. Das ist schon ein Gesamtkonzept und viele Leute, die da mitarbeiten. Insofern hat bisher das Gesamtkonzept gestimmt. Für uns ist das natürlich eine ganz tolle Sache, zu sagen, wir durften einmal im Leben, das, was wir machen, unsere Nische des Schauspiels, die wir jetzt für uns als Spezialisten entdeckt haben, in einer großen Halle präsentieren. Auf der Bühne, der Frankfurter Oper oder im Schauspielhaus in Hamburg ablesen, das ist für uns ein ganz toller Erfolg.


HBJ: Plant Ihr demnächst mal wieder ein Live Hörspiel mit den Drei Fragezeichen ?

Oliver: Ja! 2014 !

HBJ: Weiß man schon, welche Geschichte Ihr dabei lesen werdet ?

Oliver: Es wird keine klassische Geschichte sein, es wird eine Geschichte sein, die extra dafür geschrieben wird und mehr darf ich nicht verraten (lacht). Aber es ist tatsächlich so, dass ich morgen den ersten Entwurf des fertigen Manuskripts bekomme, dann lese und am Montag haben wir alle gemeinsam in Hamburg ein Treffen und reden dann darüber, ob das in der Form das Stück sein wird, das wir dann 2014 machen wollen.
Es wird eine bundesweite Tour.

HBJ: Du hast mit der Lauscherlounge Deine eigene Produktionsfirma gegründet und Euer Augenmerk liegt nicht auf der Massenproduktion, sondern auf exquisiten Hörspielen. Hast Du die Lauscherlounge gegründet, um Hörspiele zu machen, die Dir am Herzen liegen ?

Oliver: Ja, das sind Herzenssachen. Dass ich das umsetzen oder gründen konnte, ist ein großer Luxus für mich als Schauspieler, denn man wartet normalerweise auf Rollen und Angebote. Wenn man eine eigene Firma hat und ein eigenes Label und selbst Sachen herausbringt und es schafft, das in die Läden zu bringen und das Publikum zu finden, dann ist das eine ganz große Freiheit, weil man sich den Stoff aussuchen kann, die Leute aussuchen kann, mit denen man etwas machen möchte, die Musiker, Regisseure, Schauspieler. Es ist eine ganz große Freiheit und ein Ausdruck auch meines Kreativdrangs, dass es nicht gereicht hat, nur auf Rollen zu warten. Ich wollte auch schon damals beim Synchron Verantwortung übernehmen, aber das eigene Label, das ist noch die Krönung davon. Ich bin da ganz demütig und dankbar dafür, dass das bisher gut gelungen ist und dass ich da so selbständig sein darf und wir so weiter machen dürfen. Ich freue mich total, weil das einfach etwas total Schönes ist, sich selber Stoffe aussuchen zu können.

HBJ: Ihr habt mit dem Lufer-Haus Nominierungen in fünf Kategorien beim Ohrkanus erreicht und Du selbst bist u.a. als bester Sprecher für Sphere nominiert. Macht es Dich stolz, dass Deine Arbeit so gewertschätzt wird ?

Oliver: Ja, das macht mich sehr stolz. Wir werden in Berlin dabei sein, wenn die Preise verliehen werden und es gibt in diesem Jahr auch noch weitere Nominierungen, auf die wir auch sehr stolz sind. Wir sind über den Weg, den es jetzt gerade nimmt, sehr froh und gespannt darauf, auf alles Weitere, das da noch kommt und wir haben natürlich noch Ideen in der Schublade. Wir machen einfach weiter und freuen uns auf die Zukunft – wir sind Optimisten.

HBJ: Plant Ihr demnächst neue Hörspiel-Produktionen mit der Lauscherlounge ?

Oliver: Es gibt verschiedene Dinge, die angedacht sind, aber nicht so, dass ich etwas konkret sagen könnte. Der ganze Hörspielmarkt ist sowieso sehr im Umbruch, weil man nicht weiß, wie lange es Hörspiele noch als CD gibt oder bald nur noch im Download.
Wir fliegen aus den Läden raus, das Hörspiel an sich, wie Lufer-Haus und Übernacht findet keine Stellflächen in Läden. Wir sind überall bestellbar, das wird auch weiter so sein. Wir werden auf allen Plattformen sein, aber wir finden nicht in die Läden, weder in die Kaufhäuser noch sonstige. Die ganzen Läden schützen sich immer mehr davor, sie wollen Sachen zum Verkauf haben, die anfassbar sind und nicht downloadbar oder bestellbar.
Die großen Läden fangen an, Geschenke, Videos usw. zu verkaufen und dabei gehen Stellflächen für Hörbücher verloren. Wir werden immer bestellbar sein, aber die Leute, die uns als CD nachfragen, werden auch immer weniger.
Wir als Lauscherlounge machen dann vielleicht zukünftig Hörspiele, die als Download erhältlich sind und vielleicht etwas teurer als CD. Aber die CD wird mit Booklet aufwändiger sein und ist dadurch wertiger, hat dann aber vielleicht nur noch eine Sammelauflage von 500 Stück und der Rest wird dann gedownloaded.
Der ganze Markt ist so extrem im Umbruch, nicht alle Hörspielhörer brauchen mehr das Optische. Sie wollen das Hörspiel einmal runterladen, dadurch verändert sich alles und macht es einem Verlag schwer, etwas zu planen und in das Risiko zu gehen, die CD in die Pressung zu geben. Da muss man sich genau überlegen, ob man 3000 CDs in die Pressung gibt, wenn dann 2500 Stück im Lager liegen, weil die Nachfrage als Download höher ist. Wir versuchen uns darauf einzustellen und mit der Zeit und dem Wunsch der Hörer zu gehen.

HBJ: Wie entscheidet Ihr, welche Geschichten Ihr heraus bringt ? Ist das mehr eigene Vorliebe oder eher das, was dem Markt angepasst ist ?


Oliver: Das sind nur eigene Vorlieben, bei der Lauscherlounge machen wir nur Herzensprojekte. Das, was wir
machen möchten, ist im Endeffekt meine Bauchentscheidung. Es war mein Herzenswunsch, dieses Label zu gründen und dieses Risiko einzugehen und im Endeffekt muss ich die Verantwortung tragen, wenn es baden geht.

Die letztendliche Entscheidung habe ich, aber ich brauche auch Kreativ-Input von anderen Leuten und da habe ich ein ganz tolles Team um mich herum, aber das ist sehr klein und wir überlegen uns deshalb, was wir machen wollen und wen wir dafür als Sprecher haben wollen und fragen uns, ob wir die  Projekte so herausbringen können. Wir wollen uns auf gar keinen Fall in Konkurrenz zu anderen Hörspiellabels stellen. Ich finde es ganz toll, dass andere Hörspiele herausbringen, dass die Erfolg haben. Aber wir werden nicht den gleichen Stoff wie die herausbringen, wir haben andere Arten von Stoffen für uns entdeckt, außergewöhnliche Sachen, immer wieder neue Sachen und da werden wir weiter machen. Wir sind nicht die, die die nächste Serie anfangen, um irgendwelche Serienerfolge zu haben. So ist die Lauscherlounge nicht. Wir sind dafür bekannt, dass wir unsere Hörspiele auch ganz oft live machen. Andere haben große Probleme damit, etwas live auf die Bühne zu bringen. Das ist eine Entwicklung, die wir jetzt seit zehn Jahren durchmachen, damit haben wir Erfahrung und das macht uns Spaß.

HBJ: Und da gibt es in nächster Zeit einige tolle Live-Projekte, wie u.a. In verdammt kurzer Zeit um die Welt - OPEN AIR, ein Live-Hörspiel in Alt-Zeschdorf, FRANKENSTEIN - Open Air Live-Hörspiel in Berlin und Dracula - Open Air Live-Hörspiel in Pattensen.

HBJ: Welches war das letzte Hörspiel oder Hörbuch, das Du selbst gehört hast ?

Oliver: (grübelt) Die drei Fragezeichen, die habe ich letzte Woche auf der Record Release Party gehört. Die höre ich aber sonst eher selten. Ich höre Hörspiele immer auf Autofahrten, da ich aber vor Weihnachten keine langen Fahrten hatte, weiß ich gar nicht mehr, was ich da gehört habe. Hörbücher höre ich gar nicht so gern im Auto, die sind meistens zu lang. Zu Hause zum einschlafen höre ich sie aber auch nicht, ich höre lieber Hörspiele. Bunt gemischt, ich höre alles. Manche fliegen aber auch nach zehn Minuten wieder raus, weil ich in die Geschichte nicht reinkomme, manche höre ich fasziniert zu Ende und wenn ich nicht Hörspiele höre, dann höre ich auf der Autofahrt Info-Radio.

HBJ: Hörst Du Deine eigenen Hörspiele ?

Oliver: Drei Fragezeichen höre ich dann eher nicht. Die höre ich nur auf Record Release Parties, ich höre dann andere Hörspiele. Im McDermid-Hörspiel von Sven Stricker hatte ich eine ganz kleine Rolle, da interessiert mich dann der Kriminalfall und die Umsetzung und das höre ich mir dann an. Wenn ich die haupttragende Rolle habe, dann höre ich meistens kurz rein, aber dann höre ich die nicht ganz und nicht andauernd wieder.


Lieber Oliver, vielen Dank für dieses nette, sympathische Gespräch und viel Erfolg weiterhin mit der Lauscherlounge und all Deinen Projekten!


 









 




Am für HBJ
Fotos: Bea May Photography