Hörbuch-Junkies
Hier gibt's was auf die Ohren

Marco Ansing



Ich hatte heute das Vergnügen, ein kurzes Gespräch mit Marco Ansing führen zu können. Marco ist zusammen mit Kristina Lohfeldt Autor des Stückes "Die letzte Instanz", das in Kürze als Live-Hörspiel im Steampunkgewand in Hamburg aufgeführt wird.


Marco, Du planst ein Steampunk Live-Hörspiel. Für alle Hörspielbegeisterten, die aber noch nicht so viel mit dem Begriff Steampunk anfangen können, erklär doch kurz, worum es dabei geht.

Ich fange einfach mal mit Jules Verne an: Als er seine ersten Romane schrieb, wurde er noch verspottet, beschrieb er doch technische Wunderwerke, die für die Menschen der Jahrhundertwende Science-Fiction waren. Heute wissen wir, dass U-Boot, Reisen zum Mond oder der gleichen möglich sind. Und das ist Steampunk: Science-Fiction von gestern. Im Fachjargon auch Retrofuturismus genannt. Technische Wunderwerke erbaut aus Messing, Kupfer und Zahnrädern, betrieben mit Dampf. Dabei erfasst Steampunk alle Kunstrichtungen, nicht nur Wissenschaft. So gibt es daneben etwa Literatur, Kleidung und Filme. Steampunk wurde zu einem Lebensgefühl: Rückbesinnung auf Individualität, Verachtung der Massenware. Für mich als Autor ist Steampunk aber vor allem eine alternative Realität, die im 19. Jahrhundert startet. Ich sollte erwähnen, dass ich ein großer Fan der Hörspiele über Professor van Dusen bin.


In den letzten Wochen haben wir einiges zu Deinem Projekt „Die letzte Instanz“ gehört und gelesen. Wie bist Du darauf gekommen, Kino fürs Ohr in Form eines Live Hörspiels auf die Bühne zu bringen und worum geht es in dem Stück?

Kristina Lohfeldt und ich haben gemeinsam mit einigen verrückten Ideen jongliert und uns entschieden ein Live-Hörspiel auf die Bühne zu bringen. Wir wollten den sehr visuellen Bereich des Steampunks mit dem Hörspiel verbinden. D.h., dass auf der Bühne nicht nur ein Hörspiel gesprochen bzw. gespielt wird, sondern auch Requisiten, Kostüme und witzige Aktionen von großer Bedeutung sind. In dem Stück selbst geht es um vier Luftschiffreisende, die sich mit ihrer Vergangenheit auseinander setzen müssen, denn diese wird plötzlich zu einem großen Problem in der Gegenwart. Soviel will ich verraten: Sie kommen sich alle ziemlich in die Haare! Es wird jede Menge zu lachen geben, aber auch Momente des Grusels und natürlich viel Action.


Wie seid Ihr auf das Genre Steampunk für Euer Stück gekommen?

Das 19. Jahrhundert ist eine Zeit der gesellschaftlichen und technischen Umwälzung. All die Probleme sind eine hervorragende Bühne für ein Stück. Zum Beispiel setzen wir uns mit Frauenrechten auseinander.


Mit u.a. Martin Sabel und Detlef Tams, die schon aus anderen Hörspielen bekannt sind, und einem Team aus Geräuschemachern, Sprechern und nicht zuletzt der Band Drachenflug habt Ihr ein tolles Team für dieses Live Hörspiel zusammen gestellt, erzähl uns etwas zu den Beteiligten.

Also vorneweg wäre da Kristina Lohfeldt. Sie ist die Mitautorin und zugleich Schauspielerin der Figur "Elsa Stahl", eine renitente Frauenrechtlerin aus der Arbeiterschicht. Daneben spielt Martin Sabel, bekannt aus diversen Hörspielen (Arwinger, Geisterschocker, Dorian Hunter, der Fluch, Caine, Drizzt, Dragonbound, etc.) den Herman Kühn, einen sehr umtriebigen Reporter, der seine Nase in alles hineinsteckt. Der preußischen Soldaten Friedrich Adalbert vom Lehn, zu dem es auch ein Minicomic mit seiner Vorgeschichte gibt, wird von zwei Personen gespielt: Detlef Tams vertritt ihn auf unserer CD. Auch er ist bekannt als Sprecher (Dorian Hunter, Die drei Fragezeichen-Kids, Larry Brent, Hamburg-Krimis u.v.a.), mehr jedoch als Schauspieler in Hamburg. Carsten Krabbe stellt die Figur bei unserer Live-Inszenierung dar und ist Profisprecher (Radio, aber auch NDR, ZDF, arte und andere). Wiba Stein spielt unsere Chantal LaGrande, Tänzerin und Medium, und singt live auf der Bühne. Sie ist vielen bekannt als Musikerin der Band Drachenflug. Sie bringt jede Menge Bühnenerfahrung mit, so war sie bereits in “Soul Kitchen”, “Notruf Hafenkante” und “Liebe deinen Feind” zu sehen. Geräuschetechnisch werden wir durch Evie Ex Machina und Natalia Obscura, Mitglieder der Band Drachenflug, unterstützt. Sie klappern mit Geschirr, werfen mit Besteck, bewegen Schuhe, feuern Schüsse ab, lassen es explodieren und gebe jede Menge Dampf. Es ist einfach großartig, dass die gesamte Band dabei ist: Michael, Freiherr von Dunkelfels, komponierte zum Beispiel die dramaturgische Musik für jede Szene und natürlich die Titelmelodie. Zum Schluss gibt es auf der Bühne noch unseren Techniker Lars "Mac" Hoese, der durch seine Arbeit hinter der Mischanlage quasi zum Ensemble gehört. Und nicht vergessen darf man Wey-Han Tan, unseren Illustrator, der das tolle Artwork entworfen hat. Dazu kommen noch diverse Organisatoren, denen ich für ihre Mühe zu tiefem Dank verpflichtet bin.

Oh, und ich selbst verkörpere, neben meiner Arbeit als Regisseur, eine sehr undurchsichtige Figur. Man glaubt, es handele sich um Johann, dem Steward des Schiffes. Aber ist das wirklich so?


Als Finanzierung für Euer Stück habt Ihr Euch für Crowdfunding entschieden. Warum gerade diese Art der Finanzierung und warum sollte man Euch unterstützen?

Um die Inszenierung und die CD-Pressung zu finanzieren brauchen wir Hilfe. Allein durch die Theaterbesucher wäre das nicht zu stemmen. Daher erwuchs die Idee mit Startnext ein größeres Publikum anzusprechen. So können auch jene, die nicht zur Aufführung kommen, sich eine CD schnappen und uns helfen die Pressung zu finanzieren. Wir haben uns jede Menge Goodies ausgedacht, die sich jeder holen kann. Neben Comic und CD, gibt es einen Klingelton, Minirollen und natürlich inszenierte Lesungen für das Wohnzimmer bzw. für eine Feier. Wir kommen gerne bei den Unterstützern vorbei.


„Die letzte Instanz“ ist nicht Euer erstes Live-Projekt. Wie ist dieses Genre des Live Hörspiels beim Publikum angekommen und was sind Eure Erfahrungen?

„Die letzte Instanz“ war schon zweimal als Kurzversion auf der Bühne und kam richtig gut an. Besonders einigen Figuren flogen die Herzen des Publikums zu. Ein wenig eifersüchtig bin ich dann doch auf den zackigen Soldaten. Mein Johann kann da nicht mithalten.

Vorher habe ich verschiedene inszenierte Autoren-Lesungen gehalten: Mit Geräuschen, Musik und anderen Schauspielern.


Gibt es schon Pläne für weitere Live Hörspiele oder wird „Die letzte Instanz“ auch außerhalb Hamburgs zu sehen sein?

Ich arbeite an einem Bühnenprojekt für Schulen; ein kleines Kindertheater. Es wird wieder ein Live-Hörspiel geben, aber es ist noch nicht ganz sicher, wie es aussehen wird. Ich träume immer noch davon meinen abenteuerlustigen Captain Silversteam auf die Bühne zu jagen um ihn in bester Steampunkmanier den Tag retten zu lassen: Ganz pulpig und mit jeder Menge Dampf. Aber erstmal sind noch andere Projekte mit Drachenflug geplant. Doch darüber schweige ich vorerst.


Wie bist du zum Hörspiel gekommen?

Als alter Hörspielfan war das ein recht simpler Weg. Kannte ich aus der Kinderzeit vor allem Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg und natürlich Hui Buh das Schlossgespenst, wurden es später die Drei Fragezeichen und John Sinclair. Dann meldete ich mich beim Hörspielprojekt an und begann erste Rollen zu sprechen und selbst Skripte zu schreiben.


Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Euer Projekt!


Wer mehr über Marco und "Die letzte Instanz" erfahren möchte, klickt hier. Tickets gibt es nicht im Vorverkauf, können aber gegen eine kleine Unterstützung bei Startnext erworben werden. Klickt unbedingt mal rein, um ein tolles Projekt zu unterstützen!




Hörprobe

Die letzte Instanz bei Startnext


Die letzte Instanz-Homepage












AM für HBJ
Bilder Stefan Zimmermann